ZEISS DISTAGON T* 25mm / F 2.8 ZF.2

Mein erstes Objektiv, welches ich hier besprechen möchte, ist ausgerechnet ein Außenseiter. Festbrennweite! Nicht genug? Die Lichtstärke eher Mittelmaß! Noch nicht genug? Und dann noch nicht mal einen Autofokus! Was ist den jetzt los???

Wenn mir einer vor ein paar Monaten gesagt hätte, dass ich für ein Objektiv mit einer eher ungewöhnlichen Brennweite ein paar Hunderter hinlege, um dann so ein „Retroteil“ vorne an meinen DSLR Body anflansche, dann hätt’ ich den für bekloppt gehalten. Aber so was von!

Aber nun steht er da. Ein weiser Karton mit der Aufschrift „Distagon ZF.2“. Irgendwie ist schon die Verpackung edel. Ich bin ja sonst eher für die goldenen Kartons von Nikon. Die wirken jetzt aber neben dem edlen Weiß schon fast ordinär. Naja, ist ja nur die Verpackung. Aber die Erwartungshaltung ist bei dem Namen ZEISS halt schon höher.

Und so nehme ich das ZEISS Distagon T* 25mm / 2.8 ZF.2 aus der Verpackung. Und es liegt ein sattes Pfund Heavy Metal in der Hand. Mann, das ist ja fast wie nach Hause kommen. Die vergangenen Jahre wurden Objektive aller Hersteller optisch und mechanisch zwar immer besser. So wie auch die Materialien konsequent weiterentwickelt wurden, aus dem heutige Objektive in der Regel gebaut sind. Nämlich Kunststoff. Aber selbst der beste und hochwertigste Flugzeug oder Raumschiff oder Whatever Kunststoff bleibt bei der Haptik halt Kunststoff! Und jetzt sowas!

Front und Rückdeckel sind aus Kunststoff. Sonst NIX! Die Gegenlichtblende aus massiven Metall. Innen samtartig, um auch das letzte Streulicht den Gar auszumachen. Das hier nicht ein einfaches „schwarz matt“ reicht, kenne ich höchstens von Geli’s von Premiumlinsen aus den 60-70er Jahren. Ich nehme also die Geli und setze sie am Glas an. Der Bajonettverschluss der Gegenlichtblende quittiert den Anschlag mit einem satten „Klack“. So satt, dass man hier fast schon vom kleinen Bruder vom Objektivbajonett sprechen kann.

Aber man muss das dann auch mal wieder rationell sehen. Schließlich ist auch die Investition gegenüber einem „normalen“ Objektiv aus Kunststoff höher. Dann erwarte ich auch irgendwie den Handschmeichler. Und bevor ich das Glas an die Kamera anflansche, spiele ich noch ein wenig mit dem Fokusring. Ein Genuss, wie sich das 25er Distagon fokussieren lässt. Kein Vergleich zu den aktuellen Nikkore. Andererseits sind die ja auch nicht auf manuellen Fokus ausgelegt. Das ZEISS schon! Fast 330° Fokusweg hat das 25er. Ich bin jetzt schon gespannt, wie viel Grad mir das Glas bei der Fokussierung gibt, bei dem der Schärfeindikator mir noch ein „scharf“ meldet.

Bevor ich jetzt aber über das Wichtigste schreibe, nämlich die Abbildungsleistung, die Schärfe, den Mikrokontrast, die Farben und das Bokeh und ob das Glas Farbsäume hat, möchte ich erst mal den einen oder anderen neugierigen Leser eine Frage beantworten, die er sich evtl. stellt.

WIESO hast du dir das Objektiv gekauft, wenn du doch weder Zoom noch Autofokus hast?? Was kann den das 25er ZEISS, was das 24-70er Nikkor nicht kann?? Was soll ich sagen? Am Anfang war die Neugierde? 25mm Brennweite mit einer Naheinstellgrenze von 17cm. Halb so schwer, wie mein aktuelles AF-S 24-70. Offenblendtauglich und mit einem sehr schönen Bokeh. Also ein außergewöhnliches Makro/Weitwinkel.

Aber jetzt mal Butter bei de Fische! Das Objektiv soll ja nicht nur fein anzusehen und anzufassen sein, sondern muss vor allem bei der optischen Qualität zeigen, was Phase ist.

Die ersten Aufnahmen bestätigen mir das, was ich mir gewünscht, oder besser gesagt, erwartet habe. Ein schönes sahniges traumhaftes Bokeh, welches man bei einem 25er Weitwinkel eigentlich so nicht erwartet. Die Schärfe im Zentrum ist messerscharf, und zu den Rändern bereits leicht abgeblendet außergewöhnlich gut! Habe ich so nicht erwartet. Nicht mal von Zeiss. Entsprechend begeistert bin ich von dem „kleinen Schwarzen“ Und ich muss mal dazu sagen, dass ich sonst ja auch nicht gerade das Billigste an meiner Nikon vorne drauf habe. Farbsäume? Fehlanzeige! Von den Farben empfinde ich es etwas wärmer, was jetzt nicht negativ ist. Das Scharfstellen funktioniert mit dem Schärfeindikator erstaunlich gut. Und die 1,2er Vergrösserungslupe DK 17M von Nikon tut Ihr übriges. LiveView ist bei 25mm nicht zwingend, wenn man 100%ige Schärfe fordert. Das wird sich natürlich bei längerer Brennweite entsprechend ändern.

FAZIT: Das 25er Distagon 2.8 findet definitiv den Weg in meine Fototasche. Es ist ein Objektiv, welches meinem 24-70er Nikkor nicht ersetzen wird. Wenn ich eine Hochzeit, Familienfeier oder ähnliche dynamische Ereignisse fotografiere, werde ich weiterhin einen Zoombereich und Autofokus präferieren. Aber für alle anderen Arten der Fotografie wird sich vorne auf meiner Kamera das ZEISS finden. Ich habe das Gefühl, dass diese manuelle Festbrennweite mich wieder mehr zum fotografieren, und weg vom knipsen bringt. Ich habe bei meiner Art der Fotografie mit dem ZEISS festgestellt, dass ich nach dem Scharfstellen nochmals die Bildkomposition prüfe. So nach dem Moto: Jetzt habe ich manuell scharfgestellt, und sozusagen mir die Schärfe die mit das Glas gibt, erarbeitet. Dann prüfe ich besser nochmal den Bildaufbau. Das Objektiv macht einfach SPASS! Ich glaube, dass ist nicht das letzte Stück Heavy Metal von der Traditionsmarke ZEISS.

Bilder folgen 😉