„DAS GUTE BILD“

Das „gute“ Bild

Ein gutes Bild machen. Das ist jetzt einfach mal so flapsig daher gesagt. Soll es ein dokumentarisches Foto sein, oder doch eher ein Künstlerisches? Am Ende soll es einfach gefallen. Und zwar nicht nur dir, sondern auch anderen Menschen. Ich habe genügend Aufnahmen, die mir gefallen. Und wenn ich so über meine Aufnahmen schaue, mache ich mir Gedanken.

 

Gedanken über die Entwicklung der Fotografien in den vergangenen Jahren. Und zwar meiner eigenen Entwicklung. Es ist aber nicht so, dass ich mir ein erklärtes Ziel gesteckt habe. Also nicht wirklich. Aber wenn ich ein im Hintergrund mitschwingendes latentes Ziel aufzeigen sollte, dann wäre ein Zitat von Henry Cartier-Bresson wohl am treffendsten. „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“ Ich glaube nicht, dass ich das auch nur annähernd umsetzen konnte. Zumindest langweilen mich meine Bilder sehr schnell. Und da hilft es auch nicht, dass ich das ein’ oder andere Bild nochmals mit Photoshop vergewaltige. Weil ich denke, dass es dann besser wird. Das Bild meine ich. Und dann meine Langweile über das, was ich da geschaffen habe. Und wenn erst mir bei meinen Bildern das passiert, was sollen den Andere an den Aufnahmen finden. Natürlich werden meine Aufnahmen mit der Zeit besser. Das hat aber wohl damit zu tun, dass ich mich Gedanklich weniger mit den technischen Dingen, die bei einer Aufnahme zu beachten sind, auseinandersetze. Ich weis, was ich für eine Tiefenschärfe haben will. Ob ich die Aufnahme eher etwas über-, oder unterbelichte. Was der Goldene Schnitt oder die Drittelregel ist. Und dann natürlich die anderen Technikfragen? Kamerabody, Objektiv, Filter und so weiter und so weiter.

Also werde ich bald die Aufnahme machen, die mich ein wenig zufriedenstellt. Zumindest Ansatzweise. Also hoffentlich. Hab’ ich da überhaupt ne Chance? Egal! Ich bleib’ am Ball. Hab’ ich doch Ideen im Kopf. Ich nenne die mal großspurig „PHOTOPROJEKTE“. Die Ideen sind also schon mal da! Und Ehrlich! Ich versuche wirklich wirklich wirklich nicht irgend ein Mist, den ich in den unzähligen Stunden im Netz aufgeschnappt habe, zu kopieren! Wenn, dann höchstens hat mich was inspiriert. 😉 Eines habe ich sogar schon begonnen! Tatsache. 🙂  Ist mir bei meinen Fahrten durch den Wald eingefallen. Bäume! Vom Blitz getroffene Bäume! Ein paar Aufnahmen habe ich auch schon hier veröffentlich. In Arbeit sind da noch Projekte „Purchased Memories“ und „Humans & Weapons“ (Bei „Purchased Memories“ ist es aber weniger ein Fotoprojekt, sondern eher ein Projekt über Fotografie von mir)

 

Aber ich komme vom Thema ab. Ein gutes Bild machen, welches mir und anderen gefällt. Warum den eigentlich „den Anderen?“ Reicht es nicht, wenn es mir gefällt. Eventuell sogar länger, als ein paar Tage?

 

NEIN, tut es nicht.

 

Es gibt meiner Meinung nach zwei Betrachtungsweisen, wenn die dritte Person in’s Spiel kommt. Für wen ist das Bild bestimmt. Wenn es für die dritte Person ist, dann sind wir gleich fein raus. Das Bild soll also dem Anderen gefallen. Denn für den mache ich es ausschließlich. Also greift man zur Kamera, um etwas abzulichten, was mir vorgegeben wurde. Sei es die Produktfotografie, sei es ein Firmenportrait oder klassischerweise eine Hochzeit. Wenn ich hier ein gutes Ergebnis haben möchte, dann verkneife ich mir am Besten den Vorsatz, ein „gutes Bild“ zu machen. Und zwar schon Ansatzweise! Hier ist es essenziell wichtig, dem Anderen genau zuzuhören. Was will er haben, was ist sein Ziel, welches er mit den Aufnahmen verfolgt. Wenn ich der Meinung bin, zu Wissen was gewünscht ist, kann es auch schon los gehen. Man greift in die Kiste der technischen und bildgestalterischen Möglichkeiten und liefert ein Produkt ab. Nicht mehr und nicht weniger. Da ist es auch vollkommen egal, ob der hinter der Kamera der Profifotograf Müller oder Onkel Erwin ist. Und wenn ich durch gut gemachte Bilder den Auftraggeber zufrieden gestellt habe, und Ihn durch die ein oder andere Spielerei wie ColorKey oder der Brenzinger Methode noch ein wenig beeindrucken konnte, dann kann ich doch auch vollkommen zufrieden sein.

 

Schwieriger wird es, wenn ich ein Bild schaffen will, welches bei anderen Menschen etwas auslöst. Sie sich für die Aufnahme interessieren. Sich das Bild betrachten und Sie sich Gedanken machen oder es eine Emotion auslöst. Ich denke mittlerweile nicht mehr, dass es hier eine rationelle Herangehensweise gibt. Auch wenn ich diesen Ansatz in der Vergangenheit verfolgt habe, und ihn wohl auch weiterhin verfolgen werde. Aber jetzt nicht mehr Ausschließlich.

Blicken wir zurück, und schauen uns mal die klassische Schule derer an, die „etwas Schönes“ aufnehmen wollen. Sozusagen der kleine Stiefbruder von „Ein gutes Bild“.

 

Sonnenuntergang & Sonne in der Bildmitte & Horizont ebenfalls Bildmitte & Kodak Instamatic 50 = Klack, etwas Schönes!

 

Kölner Dom & strahlender Sonnenschein & nah herangezoomt & Lumix DMC = Klack, etwas Schönes!

 

Brooklyn Bridge & Blaue Stunde & Goldener Schnitt & Nikon D7000 = Klack, etwas Schönes!

 

Und jetzt wird es schon schwieriger. Fullframe kaufen? Und das noch teurere Objektiv? Wer jetzt denkt: „Nicht die Kamera macht das Bild, sondern der Fotograf“, möge bitte 5.- € in mein imaginäres Phrasenschein werfen. Bankverbindung steht im Impressum.

 

Noch weiter weg reisen? Malediven? Australien? Südpol? Mond?

 

Oder sich mal Gedanken machen, ob man hier das Thema mal anders angeht. Ich bin der Meinung, dass es weitaus schwieriger ist, ein „gutes Bild“ von etwas Schönen zu machen, als von etwas Gewöhnlichen oder sogar Hässlichen. Oder anders gesagt. Ein schönes Bild ist noch lange kein gutes Bild. Und umgekehrt. Ein gutes Bild muss nicht Schön sein.

 

Das Thema wird mich noch ein wenig beschäftigen. So wird mir mit meinem Hobby auf die Dauer wohl kaum langweilig.

 

Und um die noch offene Frage zu beantworten, warum photographische Aufnahmen nicht nur dem gefallen brauchen, der sie macht? Der Mensch strebt nach Achtung und Anerkennung. Das unterscheidet Ihn vom Tier. Sonst bliebe doch nur Stoffwechsel und Fortpflanzung.

 

Das es ausgerechnet die Photographie sein muss, mit dem man danach sucht, konnte derjenige am Anfang ja nicht ahnen, auf was er sich da eingelassen hat.